Der Ruf nach einfachen Antworten - eine Falle?

Es gibt vielerorts einen Ruf nach einfachen Antworten auf komplexe Probleme in unserer Gesellschaft - sei es im Umgang mit Umwelt-, geopolitischen oder sozialen Problemen, im Management oder in unserem Privatleben. Aber auch in der Wissenschaft gibt es manchmal die Suche nach der einfachen Antwort und Wissenschafter fallen bei bestimmten Herausforderungen zu oft in diese Falle.

 

Das Problem der einfachen Antworten und der Simplifizierung wurde unter dem Motto "This Idea Must Die" sowohl von A.C. Grayling (Philosoph, Londond und Oxford) als auch von Gavin Schmidt (Klimatologe, NASA) in dem gleichnamigen Buch von Herausgeber John Brockman vorgeschlagen. 

 

Leider hat der Simplifizierungstrend auch im Management um sich gegriffen. Teil des Problems sind vielverbreitete Missverständnisse und Verwechslungen von Themen und Begrifflichkeiten.  


1. Wie man ein Problem betrachtet: Eine unzulässige Simplifizierung eines komplexen Problems verengt den Blick, so als ob man beim Versuch ein Organisationsproblem zu lösen nur auf das Organigramm (i.e. nur eine Seite!) schaut. Eine verengte Sichtweise könnte natürlich das Sicherheitgefühl erhöhen, dass eine Lösung rasch möglich ist. Dieser Ansatz wird aber wenig Erfolg in Zukunft versprechen. 


2. Einfache Kommunikation über ein komplexes Thema gegenüber einer Simplifizierung des Problems an sich: Ein weit verbreitetes Missverständnis betrifft die Kommunikation. In grossen Organisationen müssen Führungskräfte entsprechend kommunizieren und "den Punkt rüberbringen". Eine zielgruppengerechte, einfach verständliche Kommunikation darf jedoch nicht zu einer unzulässigen Vereinfachung des Grundproblems an sich führen. Das würde typischerweise wieder zu einer Situation, wie unter Punkt 1 beschrieben, führen.


3. "Mach es nicht so kompliziert!": Die dritte Falle, in die Führungskräfte leicht tappen können, besteht darin "kompliziert" mit "komplex" zu verwechseln. Die Aussagen "Mach es nicht so kompliziert!" betrifft oftmals Prozesse, Vorgehensweisen und Kommunikationsaktivitäten. Wenn man aber diesen Appell unreflektiert anwendet, könnte man wieder in einer übermässigen Simplifizierung des Grundproblems, und damit in der Falle Nummer 1 enden. 

 

Es gibt viel zu sagen über das Management von komplexen Fragestellungen im Management. Diese 3 Punkte könnten helfen jeweils die richtige Perspektive einzunehmen und damit den richtigen Ansatz zum Management von Komplexität zu nehmen, nämlich die Differenzierung zwischen der Art und Weise der Problembetrachtung und -lösung (i.e. Akzeptanz der Komplexität und entsprechend mit ihr umzugehen) gegenüber der Art und Weise, wie man die Prozesse und Kommunikation hierfür gestaltet (i.e. einen fundierten, robusten und verständlichen Ansatz wählen, den Mitarbeiter nachvollziehen können). 

 

Siehe:

Brockman, John (Ed.): "This Idea Must Die. Scientific Theories that are blocking progress.", HarperCollins, New York, 2015

 

http://www.amazon.de/This-Idea-Must-Die-Scientific/dp/0062374346/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1450390457&sr=8-1&keywords=this+idea+must+die

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